shadow_left
Logo  
Shadow_R
   
Kilimanjaro als Tagestour - 4000 Hm - 12:49 h Drucken E-Mail

Kilimanjaro als Tagestour – Marangu Route – 31.12.08

be prepared for a day trip

Die Idee, den Kilimanjaro an einem Tag vom Gate bis zum Gipfel zu besteigen, kam mir kurz nach dem ich die Umbwe-Route hinter mir hatte und etwas gelangweilt bei einem Bier im Springlands Hotel in Moshi saß.
Bisher hatten das nur ganz wenige Bergsteiger versucht. Von einem Guide wusste ich, dass er es gemacht hatte, ein Team aus Südafrika hatte es über die Mweka-Route geschafft und Christian Stangl, der Skyrunner, hält den Weltrekord mit 5:36:18 über die Umbwe-Route. Chri kannte ich gut von der Antarktistour letztes Jahr. Ihm schrieb ich sofort eine E-Mail, um ihm mein Vorhaben mitzuteilen und ein paar Tipps aus erster Hand zur Durchführung einer solchen Aktion zu bekommen. Bereits kurze Zeit später erhielt ich die Antwort mit wichtigen Tipps und die ermunternde Aufforderung meinen Hintern tatsächlich noch einmal etwas schneller in Richtung Gipfel zu bewegen. Chri sagte. „Alter - lass es ordentlich krachen!!!“. Das wollte ich auch tun, doch zunächst galt es ein paar organisatorische Hindernisse aus dem Weg zu räumen, denn die Veranstalter haben den Kili als Tagestour nicht in ihrem Programm und die Regeln des Nationalparks lassen das auch nicht so ohne weiteres zu.
Nach einigen Verhandlungen mit den verschiedensten Leuten gelang mir (nach 3 Tagen) der Durchbruch: die Managerin und Eigentümerin von Zara Tours, dem größten Outfitter Tansanias, setzte sich persönlich für mein Vorhaben ein. Sie telefonierte mit dem Direktor der Nationalparkverwaltung. Dieser gab sein O.K. unter der Bedingung, dass ich ein 5-Tages-Permit zum Preis von 520 US $ für die Marangu-Route kaufte, dieses aber sofort nach Bezahlung der Summe ausgehändigt bekäme. Damit könnte ich dann morgen – noch vor der offiziellen Öffnungszeit des Gates – in Richtung Gipfel starten. Natürlich musste ich zwingend mit einem Guide unterwegs sein, brauchte jedoch keine Träger oder einen Koch für die Tour. Sämtliche Kosten für Guide und Transport wollte Zara Tours übernehmen. Showtime Folks. Ich möchte nicht verleugnen, dass jetzt ein gewisser Druck auf mir lastete, denn erstens hatte ich noch niemals 4000 Höhenmeter an einem Tag gemacht und das schon gar nicht auf einer Strecke, die fast so lang wie ein Marathon war. Ob ich es da wirklich so richtig krachen lassen konnte war eher zweifelhaft.
Mit Jeffery, meinem Guide, besprach ich die Einzelheiten, was Dinge wie Ausrüstung und Zeitplan angingen. Außerdem hatten wir noch ein paar Kleinigkeiten in Moshi zu besorgen.

31.12.08
Aufstehen 4 :30 Uhr. Ich hatte gut geschlafen, war fit und hydriert. Eine Packung Butterkekse zum Frühstück und noch ein Liter Wasser zum Nachspülen. Jeffery kam gegen 5:00 Uhr. Zwanzig Minuten später fuhren wir Richtung Marangu-Gate auf 1860m.
Das Gate war natürlich noch geschlossen, doch die Ranger öffneten uns. Wir starteten um 6:17 Uhr, schon bald würde die Sonne aufgehen. Wir joggten nicht, sondern gingen eher schnelles Nordic Walking. Der Weg bestand aus braunem Lavaschotter, wir kamen sehr schnell voran.
Als ich mein Wasser herausholte, fragte mich Jeffery, ob er einen Schluck haben könne. Ich reichte ihm die Flasche herüber, musste ihm aber klarmachen, dass er sich schnellstens selbst Wasser besorgen müsse, denn meine 1 l Flasche würde auf dieser Tour kaum für mich selbst reichen. Dabei fragte ich mich, was er wohl alles in seinem Rucksack mitschleppte – eigentlich hatten wir gestern festgelegt, dass wir keine Rucksäcke mitnehmen. Selbst leer würden die schon zu viel Gewicht haben. Alles, was ich brauchte, hatte ich in die Hülle eines Camelbaks getan - ohne Camelbak versteht sich. Die Stirnlampe, die lange Unterhose, die Windstopper-Handschuhe, die Energy-Bars, ein paar kleine Geldscheine, ein Foto-Handy und eine Packung Zigaretten – das war alles. Meine Softshell-Jacke hatte ich um den Bauch gebunden. So hatten wir es gestern besprochen, aber Jeffery hatte sich leider nicht daran gehalten.
Nach 1:32 h erreichten wir das Mandara-Camp auf 2700 m. Wie auf jedem Camp mussten wir uns auch hier registrieren. Zu den Rangern sagte ich nur. „Gebt mir schnell das Buch, ich kritzele meinen Namen rein, den Rest übernimmt Jeffery“. Dann eilte ich weiter und Jeffery folgte nach.
Der Weg zum Horombo-Camp zog sich elend in die Länge (12km). Ich dachte mir, jetzt sehe ich gerade mal den Mawenzi und der Kibo ist noch in weiter Ferne. Jeffery verlor ich leider auf dieser Etappe. Im Moment machte ich mir darüber jedoch keine Gedanken, denn wie bei einem Marathon ging hier jeder sein eigenes Tempo. Und das hier war ja eine Art von Marathon. Jeffery wusste, dass es hier als Führer nichts zu führen gab. Sollte er es jedoch schaffen, den Kilimanjaro an einem Tag zu erreichen, so würde ihm das die denkbar besten Referenzen und in Zukunft viele Aufträge einbringen. An diesem Tage sah ich Jeffery nur noch einmal aus der Ferne.
an den Horombo-Huts auf 3700m
Nach 2 ½ h ab Mandara-Camp erreichte ich das Horombo-Camp auf 3700 m. Da hier niemand etwas von Registrieren sagte, stoppte ich nur ganz kurz für ein Foto. Dann ging ich zügig weiter – jetzt war ich ohne Permit und ohne Führer unterwegs. Gemessen an den zurückgelegten Höhenmetern hatte ich die Hälfte hinter mir und dafür gerade mal 4 h gebraucht. Von Ermüdung noch keine Spur – es ging locker flockig voran. Der schwierigste Teil lag aber noch vor, soviel war klar, denn mit zunehmender Höhe wird die Luft knapper und wie bei einem Marathon käme jetzt allzu bald der Mann mit dem Hammer...
Etappe Horombo-Huts - Kibo-Hut
Als ich in die Höhe des Sattels kam (ca. 4300 m) wehte ein eiskalter Wind. Bis hierher war ich nur mit einer hauchdünnen Hose und einem Unterhemd bekleidet. Die Softshell-Jacke noch immer um den Bauch gebunden und die lange Unterhose im Camelbak, das ich anstelle eines Rucksacks benutzte. An einem windgeschützten Platz, bei Felsen unterhalb der Kibo-Hut, wo viele Gruppen Rast machten, zog ich die lange Unterhose und die Jacke an. Einem Träger von einer Gruppe konnte ich einen halben Liter Wasser abkaufen. Das würde mir bis zur Kibo-Hut reichen. Bisher gab es einige Bäche, wo ich meine Flasche auffüllen konnte. Jeffery hatte mich gestern gefragt, wie wir es mit der Wasserentkeimung machen wollten. Ich hatte geantwortet, darauf können wir verzichten, denn wenn wir von dem Wasser Durchfall bekämen, so würde das erst morgen sein und da war die Tour längst vorbei.
An dem Platz mit den windgeschützten Felsen am Kibo-Sattel rasteten einige Gruppen. Einer der Führer fragte mich, was ich vorhätte. Ich sagte, Kilimanjaro als Tagestour – vom Gate bis zum Gipfel. Sie schauten mich ungläubig an, denn zu dem Zeitpunkt, als wir uns hier trafen, hatte ich immerhin Leute überholt, die sich auf ihrer dritten Tagesetappe befanden.
Es war wieder Zeit durchzustarten. Für meine „Zuschauer“ legte ich eine kurze Joggingeinlage hin, fiel aber natürlich schon nach wenigen hundert Metern wieder auf mein normales Tempo zurück. Vom Felsen am Sattel bis zur Kibo-Hütte brauchte ich noch 30min. Ich erreichte die Hütte nach 3:27 h ab Horombo-Huts.
an der Kibo-Hut auf 4700m
Auf der Kibo-Hütte musste ich mich natürlich wieder registrieren. Die Ranger fragten nach meinem Guide und dem Permit. Ich sagte der käme bald und sie beließen es zunächst dabei. Vor der Hütte machte ich noch ein paar Minuten Pause, schoss ein paar Bilder mit dem Foto-Handy und rauchte eine Zigarette. Während der wenigen Minuten, die ich hier verweilte, hatte ich wohl ein paar Fragen der herumstehenden Guides und Träger zu viel beantwortet. Die Ranger baten mich noch einmal in ihre Hütte herein. Es hieß ohne Führer kann ich nicht weiter gehen. Ich sagte noch einmal, dass Jeffery bald käme und ich den Weg auch alleine fände, denn der war nicht zu übersehen. Sie diskutierten eine Weile, dann ließen sie mich ziehen. Jetzt machte ich aber, dass ich davon kam.
Die nächsten 1000 Höhenmeter bis zum Gillmans Point waren relativ steil und ich gewann zügig an Höhe. Die Kibo-Hut und den Weg unter mir konnte ich dabei gut einsehen. Ich hatte Bedenken, dass mir jemand folgen würde um mich zurückzuholen, so ganz ohne Guide. Doch keiner folgte mir und je mehr Höhe ich gewann, um so sicherer war ich mir, dass mich jetzt eh niemand mehr einholen könne. Am Williams Point auf Höhe 5000 m machte ich wieder eine Pause. Ich sah hinunter zur Kibo-Hut und jetzt kam tatsächlich jemand herauf. Erst dachte ich das sei ein Stein, da er sich nicht bewegte. Dann lief er aber hin und her, wie als wäre er nicht sicher, ob er nun heraufkommen soll oder nicht. Ich dachte mir, das könne nur Jeffery sein, war mir aber nicht sicher. Warten wollte ich natürlich nicht, denn bis er hier wäre würde mindestens 1 ¾ h vergehen und dann könnte ich den Gipfel nicht mehr vor Sonnenuntergang erreichen.
Ich stieg weiter auf zum Gillmans Point. Der Weg nach der Hans Meyer Cave wurde zunehmend steiler und bestand aus immer mehr losem Schotter. Man machte einen Schritt und rutschte einen halben zurück. Mein Tempo war längst auf einen Schritt pro Atemzug reduziert, mit anderen Worten: langsam war ich platt. Ich verfluchte dieses Teilstück, das schien, als ob es nie enden würde.
am Gillmans Point auf 5681m
Gegen 18:15 Uhr, 4:29 h von der Kibo-Hut, erreichte ich endlich den Gillmans Point auf 5681 m. Von hier waren es noch 200 Höhenmeter bis zum Uhuru Peak, dem höchsten Punkt des Kibo. Während ich Richtung Stella Point lief ging die Sonne unter. Bis zum Stella Point brauchte ich 20 min. Jetzt war ich mir sicher, dass ich es schaffen würde, denn ab hier kannte ich den Weg und wusste, dass es nur noch eine gute halbe Stunde bis zum Gipfel ist.
Langsam wurde mir kalt, denn es wehte ein eisiger Wind und die wärmenden Sonnenstrahlen fehlten. Mich fror an die Finger, da ich nur dünne Windstopper-Handschuhe anhatte. Ich deponierte die Skistöcke irgendwo und steckte die Hände in die Jackentaschen. So würde es gehen bis zum Gipfel und zurück bis zum Stella Point. Beim Abstieg zum Barafu-Camp werde ich wieder in windgeschützten Regionen sein.
Um 19:06 Uhr erreichte ich den Gipfel in einer Gesamtaufstiegszeit von 12:49 h. Es war mittlerweile dunkel. Ein letztes Foto, dann nichts als runter. Meine Hände zitterten und ich schlotterte vor Kälte als ich das Foto-Handy herausholte. Als ich versuchte das Fotolicht des Handys einzuschalten (Blitzlicht hat es leider nicht), gab der Akku seinen Geist auf. Doch das war mir jetzt auch egal, ich musste zusehen, dass ich hier möglichst schnell verschwand.
Im Licht meiner Stirnlampe versuchte ich die Stelle wieder zu finden, an der ich meine Skistöcke deponiert hatte. Ich konnte mich nicht mehr daran erinnern, wo das war. Für den Abstieg würde ich sie dringend brauchen, weil ich Knieprobleme habe. Ich wusste nur noch, dass ich sie irgendwo zwischen Stella Point und Gipfel zurückgelassen hatte. Tatsächlich sah ich kurz vorm Stella Point etwas silbriges das Licht meiner Stirnlampe reflektieren. Da waren sie.
Jeffery und ich hatten gestern ausgemacht über das Barafu-Camp und dann die Mweka-Abstiegsroute abzusteigen, da diese viel kürzer ist. Zum Camp musste ich einfach am Stella Point rechts abbiegen und dann die Lavaschutthänge hinunter gehen. Dann würde ich schon irgendwann auf das Barafu-Camp stoßen. Dachte ich. Es war der selbe Weg, den ich vor vier Tagen bereits gegangen war. Doch jetzt war es stockdunkel. Das Barafu-Camp liegt auf einem Plateau, doch ein solches konnte ich im Licht der Stirnlampe weit breit nicht sehen. Ich verstieg mich und musste wieder ein Stück bergauf, um vom letzten bekannten Punkt von vorn mit der Suche zu beginnen. Ich merkte jetzt, wie schwer es mir fiel noch einmal bergauf zu gehen. Eigentlich wäre es naheliegend gewesen, nicht irgendwelchen Pfaden zu folgen, die hinab führten, sondern sich an Steinmännchen zu orientieren. Doch auf diese Idee kam ich erst später. Immerhin aber führte sie mich zum Barafu-Camp und ich war froh, als ich die Lichter der Zelte sah, in denen sich einige bereits zum Aufstieg bereit machten.
Es mochte zwischen 10 und 11 Uhr abends sein, als ich die Hütte der Ranger im Camp suchte. Die Tür stand halb offen und drinnen dudelte ein Radio. Drinnen war es dunkel, die Ranger schliefen offenbar bereits. Ich klopfte an die Blechtür. Es dauerte eine Weile bis sich jemand rührte. Ich trat ein. Sie fragten mich, wo ich denn um diese Zeit herkäme und wo eigentlich mein Guide sei. So erzählte ich meine Geschichte von der Kilimanjaro Tagestour und dem verloren gegangenen Guide auf der Etappe zu den Horombo-Huts. Einer der Ranger nahm Funkkontakt mit den anderen Camps auf und wurde fündig: Jeffery befand sich auf der Kibo-Hut. Wir hatten ausgemacht über die Mweka-Route abzusteigen und dieser Weg führte zwangsläufig über das Barafu-Camp. Warum war er auf der Kibo-Hut?
Die Ranger boten mir ein Nachtlager in deren Hütte an. Ich schlüpfte in voller Montur in den Schlafsack und schlief sofort ein. Gegen 6 Uhr wachte ich auf. Die Ranger funkten wieder zur Kibo-Hut rüber. Jeffery machte sich jetzt auf den Weg zum Barafu-Camp herüber, was ca. 3 Std. dauern würde. Inzwischen kochten sie mir einen Kaffee und machten Popcorn zum Frühstück.
Jeffery kam gegen 9:30 Uhr und es begann eine Diskussion mit den Rangern. Sie sagten, wir müssten auf der Route absteigen, auf der wir gekommen seien, also auf der Marangu-Route. So sind die Nationalparkregeln. Ich dachte mir scheiß auf die Regeln, wenn wir außer Sichtweite sind können wir absteigen, wo wir wollen, doch so einfach war das nicht, da wir nämlich am Marangu-Gate den Nationalpark verlassen mussten und nicht am Mweka-Gate. Auch dort wussten die Ranger Bescheid und Jeffery hätte mächtig Ärger bekommen, wenn wir uns nicht an die Bestimmungen gehalten hätten. Ich wollte ja nicht, dass er seine Lizenz verliert. Notgedrungen mussten wir vom Barafu-Camp zu den Horombo-Huts rüberqueren und dann die Marangu-Route absteigen. Wir ließen uns Zeit dabei und legten ab und an eine Pause ein. Jeffery hatte ein paar schmerzhafte Blasen an seinen Füßen, da er vergessen hatte sich auch die Zehen zu tapen.
Am späten Nachmittag erreichten wir das Marangu-Gate. Damit war unsere Tour zu Ende. Mir hat es Spaß gemacht zu testen wo meine Grenzen liegen und wie es um mein Durchhaltevermögen, meine Ausdauerleistung und Belastbarkeit bestellt ist. Es gibt wenige Berge auf der Welt, wo man gefahrlos 4000 Höhenmeter an einem Tag machen kann. Der Kilimanjaro als Tagestour war für mich ein voller Erfolg und ich möchte mich noch einmal für die Unterstützung bei Jeffery und Zara Tours bedanken.

 
 
   
 
Advertisement